Sonntag, 26. Juni 2011

Tag 16: Jasper

Heute haben wir unseren Wecker sehr früh gestellt, auf 6 Uhr. Für uns entspricht das aber eigentlich 5 Uhr, da wir erst gestern Nachmittag in diese Zeitzone hier gekommen sind. Der Grund dafür: heute wollen wir zum Lake Maligne fahren. Der ist etwa 60 Kilometer von Jasper entfernt. Die Straße dorthin windet sich durch die Berge. Im Lonely Planet steht, dass man sehr gute Chance hat ein paar wilde Tierchen zu sehen, wenn man früh genug und vor der Besucherflut des Sees dran ist.

Auf dem Weg aus dem riesigen Campingplatz (780 Stellplaetze) raus sehe ich ein Karibu-Jungtier über die Straße hüpfen. Carina ist noch viel zu verschlafen, um zu reagieren. Ich schau mich um, wo denn die Mutter von dem Jungtier ist und sehe sie ca. 50 Meter durch den Wald, bei den nächsten Stellplätzen. Dort jagt sie gerade eine Touristin und ihre beiden Hunde um den Wohnwagen. Ganz lustig anzusehen, sicher nicht lustig fuer die Touristin. An den ganzen Warnzetteln, die man hier ständig bekommt und die überall rumhängen ist wohl doch was dran.

Weiter gehts auf dem Highway. So kann es weitergehen mit den Wild-Sichtungen. Ich bin schon gespannt auf die Maligne Road! Diese fahren wir dann ganze 60 Minuten entlang. Leider stellt sich heraus, dass der Lonely Planet der hiesigen Tierwelt nicht Bescheid gegeben hat, dass es sich gehört für die Frühaufsteher am Straßenrand zu posieren. Genau Null Sichtungen. Ich bin enttäuscht :-(

Beim Lake angekommen holen wir dann erstmal das Frühstück nach. Jetzt sind wir fit für eine kleine Wanderung. Die führt uns erst am Ufer des Lake Maligne entlang. Echt ein schöner See. Mit 22 km der längste in den kanadischen Rockies.




Außer einer Ente auch hier nix tierisches zu sehen. Dann zweigt der Wanderweg Richtung Lake Moose ab.




Vielversprechender Name aber wieder nix. Die namensgebenden Elche sind wohl schon vor langer Zeit weiter gezogen. Na gut, ein paar Vögel sind hier, die dann als Ersatz als Fotomotive herhalten müssen. Zurück am Parkplatz wächst meine Enttäuschung. Von wegen Kanada das Land der Bären und Elche!

Man könnte hier auch ein Kanu mieten und rumpaddeln, aber dazu ist es uns zu kalt. Alternativ kann man mit einem etwas grösseren Touri-Boot bis ans andere Ende des Lakes fahren. Dort ist eine kleine Insel, die auf vielen Postkarten zu sehen ist. Aber die 60 Dollar pro Person ist uns der Anblick dann doch nicht wert. Also fahren wir wieder den ganzen Weg zurueck.

Nach einigen Kilometern sehen wir dann auf der anderen Straßenseite einen Bus und einige Autos stehen. Was da wohl sein mag? Kurzentschlossen lenke ich den Van in die nächste Parkbucht und wir springen mit den Kameras bewaffnet aus dem Wagen. Uns kommen schon 2 Touris entgegen mit der freudigen Nachricht "A bear"! Man darf aber nur mit dem Auto ran. Also zurück, gewendet und in die Warteschlange eingereiht. Es ist auch schon ein Ranger vor Ort, der die vordersten Autos nach einigen Augenblicken immer wieder weiter winkt. Als wir endlich ganz vorn sind sehen wir erstmal gar nix. Dann bewegt sich ein schwarzer Punkt im Dickicht. Das ist er! Zu meiner Freude bewegen sich hinter dem grossen Punkt auch noch zwei oder drei kleinere. Wie geil, eine Mutter mit ganz jungen Bärchen. Carina versucht den Bär gut vor die Linse zu bekommen. Leider ist er etwas versteckt und dann werden wir auch schon weiter gewunken.



Ganz euphorisiert von dem Anblick wenden wir nach ein paar hundert Metern wieder in unsere Richtung. Als wir am Bär vorbeikommen stehen da grad nur zwei Autos. Wir nutzen die Gelegentheit und halten nochmal an. Inzwischen sind die Babys aus dem Wald gekommen und spielen in der Wiese. Was für ein Anblick! Die Mutter kommt auch gerade aus dem Wald. Riesig. Nein. Bärig! Carina ist mit fotografieren beschäftigt. Dann müssen wir wieder weiter. Als ich die Fotos betrachte bin ich entsetzt. Keine Baby-Bären drauf! Wuah! Carina hat ihren Zoom so weit ausgefahren, dass sie nur die Mutter gesehen hat und überhaupt nicht mitbekommen hat, dass die Kleinen auf der Wiese sitzen. Ich bin sehr enttäuscht, das wär ein Hammer Foto gewesen. Naja, aber wenigstens haben wir überhaupt die Bären gesehen. Muss ich das Bild halt gut in Erinnerung behalten.

Weiter geht die Rückfahrt. Dann vor uns wieder einige stehende Fahrzeuge. Noch ein Bär? Nein, die Leute sind ausgestiegen. Wir halten auch. Was wir wenige Meter entfernt sehen ist wohl ein Wapiti-Hirsch. So genau kann ich das aber nicht sagen, die Wild-Sorten hier ähneln sich für einen Laien doch zu sehr.



Wir schießen ein paar Fotos und fahren weiter Richtung Stadt.

Auf dem Weg liegt noch der Maligne Canyon. Weil wir nichts weiter vorhaben halten wir an und laufen los. Hier hat sich der Maligne River im Laufe der Jahrhunderte ins Gestein gefressen und ist nun gute 20 Meter unter uns. Wir stehen auf einer Brücke und schauen zum Fluss hinunter.


Man könnte noch weiter stromabwärts wandern, aber da wir keine rechte Wanderslust verspüren, etwas müde sind und auch nicht so beeindruckt sind beschliessen wir zurück in die Stadt zu fahren.

Dort angekommen machen wir erstmal bei einem der hiesigen Asiaten Mittag. Die Süss-Sauer-Sosse ist schon sehr süss. Aber schmeckt grad noch. Wir fahren zurück zum Campingplatz und wollen am Laptop Blogeinträge vorbereiten. Der Computer hat die letzten Tage schon ein wenig zu bocken angefangen, jetzt fährt er gar nicht mehr hoch. Na super! Ich bin froh, dass ich meine auf den PC überspielten Fotos noch nicht von der Speicherkarte gelöscht habe. An dieser Stelle dank an Moare für die Ersatzkarten!

Tja, was nun? Da wir heute nichts mehr unternehmen wollen fahren wir wieder in die Stadt und gehen eben in ein Internet-Cafe zum bloggen. Damit sind wir dann auch über ne Stunde beschäftig. Das wars auch schon für heute.

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