Dienstag, 21. Juni 2011

Tag 4: Michigan Creek - Tsusiat Falls (13 km)

Wieder sind wir lange vor dem Wecker wach. Was aber auch daran liegt, dass es uns heute Nacht ziemlich gefroren hat. Da haben wir uns wohl nicht warm genug verpackt. Ich wache nachts auch mal auf und verspüre ein ziemliches Kratzen im Hals. Leichte Panik macht sich in mir breit, dass meine bakterielle Halsentzündung von letzter Woche zurück ist und der Trail für mich damit schon wieder beendet ist. Aber in der Früh ist davon zum Glück nichts mehr zu spüren.
Da wir ja vor dem Wecker wach waren hören wir den Wecker meines Handys im nächsten Gebüsch. Nochmal Glück gehabt.
Das erste Frühstück auf dem Trail – Haferflocken mit etwas Früchten und heißem Wasser – schmeckt überraschend gut. So sind wir auch bald wieder frisch gestärkt unterwegs. Der erste
Wegabschnitt führt am Strand entlang. Auf den Felsen entdecken wir bald ein Wrackteil eines der zahlreichen hier gesunkenen Schiffe. Scheint irgendein Dampfkessel gewesen zu sein.


Kurz darauf sichten wir auch den ersten Adler. Er gleitet majestätisch über uns hinweg und verschwindet dann in den Baumwipfeln. Der angenehme Beachwalk wird bald etwas interessanter: vor uns ist alles voll mit angespülten Baumstämmen und so beginnt eine lustige Kletterpartie.


Kurz danach führt uns der Weg zurück in den Wald. Es ist hier angenehm zu gehen und bereitet uns keinerlei Probleme. Eine kleine Hängebrücke führt uns über den Toscowie Creek, der hier einige Felsen hinunter rauscht.
Der Weg wird etwas anspruchsvoller. Es gilt die ersten Baumwurzeln zu überklettern und trittfeste Stellen um Schlammlöcher zu suchen.


Am Wegesrand stoßen wir auf zwei alte Maschinen, die aus den Zeiten stammen, als hier eine Fernmeldestrecke entlang lief (wenn ich mich recht erinnere).

Als wir mal wieder über eine kleine Strecke Boardwalks gehen stehe ich plötzlich vor einem Trümmerfeld. Der Weg ist hier total zerstört und wir müssen (mal wieder) über zahlreiche Baumstämme klettern, um weiter zu kommen. Ist aber kein großes Problem und bald geht es wieder auf dem „normalen“ Weg weiter.
An einem der Schlammlöcher passiert es dann: Trixi rutscht aus und stürzt. Wir amüsieren uns alle köstlich, als sie mit Schlamm an Füßen und Hintern zu uns aufschließt. War ja klar, dass es früher oder später jemanden hin haut.
Der Trail schlängelt sich mittlerweile an den Klippen entlang. Soll heißen ca. einen halben Meter neben uns geht es mal eben 10 bis 20 Meter nach unten. Ohne Geländer versteht sich. Höhenangst sollte man hier besser nicht haben…
Endlich sind wir wieder am Strand, genauer am Trestle Creek. Im Moment ist auch herrlicher Sonnenschein, also machen wir Mittagspause. Das Mittagessen besteht aus Powerbars, Studentenfutter und getrockneten Mangostreifen. Ich mache es mir auf einem riesigen Baumstamm gemütlich und genieße die Sonne.


Weiter geht es über große Felsplateaus, die bei Flut unter Wasser stehen. Überall huschen kleine Krabben davon wenn wir angestampft kommen. Bei jeden Schritt knirscht es unter unseren Füßen: zig kleine Wasserschnecken werden zermantscht. Da werden die Krabben ein Festmahl haben…
Wieder taucht ein Adler auf und lässt sich in einem Baum nieder.



Leider gehen die Felsen bald in einen Kieselstrand über. Die Steinchen sind sehr klein und es ist echt anstrengend hier zu gehen, weil man mit jedem Schritt tief einsinkt. Ätzend! Es stellt sich heraus, dass Trixis Sturz doch nicht so lustig war: auf diesem Untergrund fängt das Knie, auf das sie gefallen ist, an zu schmerzen. Oje. Aber wir kämpfen uns weiter und kommen wieder zu einem leichteren Waldabschnitt. Dieser endet an unserem ersten Cable Car. Das sind kleine metallene Fahrgelegenheiten über Flüsse. Die Fahrt macht auch Spaß. Zumindest bis zur Mitte. Danach muss man sich am Seil zur anderen Seite hinüberziehen. Echt anstrengend.




Als wir alle vier am anderen Ufer angekommen sind geht es wieder weiter über alte wacklige Boardwalks. Wir sind unserem Ziel, den Tsusiat Falls, schon sehr nahe. Wir müssen nur noch ein paar Leitern hinunter und dann ists für heute vollbracht.


Marion klettert voraus. Dann das nächste Unglück: an einer Leiter fehlt eine Sprosse. Da das von oben kommend kaum zu erkennen ist steigt Marion ins Leere und rutscht ab. Zum Glück kann sie sich an der Leiter festhalten. Nochmal Glück gehabt. Trotzdem ein ganz schöner Schock für uns und ein dicker blauer Fleck für Marion. Jetzt aber schnell zum Campground, die Zelte aufgebaut und Feuer gemacht. Wir schlagen unser Lager nicht weit von dem Wasserfall auf. Schaut echt super aus!


Leider ist es heute doch zu kalt, um im Bassin zu baden. Zum Abendessen gibt es Nudeln mit Champignons und etwas Sand ;-)
Den Abwasch erledigt Marion auf etwas unkonventionelle Weise: mit Sand statt Wasser. Klappt aber echt super und die Töpfe werden auch sauber.


Trixi humpelt inzwischen ganz schön. Hoffentlich ist das nix Schlimmeres.
Während wir am Lagerfeuer sitzen kommt noch unsere Nachbarin vorbei und erzählt uns von ihrem bisherigen Trip (sie geht den Trail in die andere Richtung, ist also schon länger unterwegs und hat die schwierigeren Abschnitte hinter sich). Interessant was da noch so alles kommt…
Als es leicht zu nieseln anfängt verziehen wir uns in die Zelte.

1 Kommentar:

  1. Hi Ihr Kämpfer, das hört sich ja alles schon ganz schön abenteuerlich an! Hoffentlich kommen keine weiteren Blessuren dazu & gute Besserung für das Knie!
    LG
    Ilona

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