Mittwoch, 22. Juni 2011

Tag 5: Tsusiat Falls - Cribs Creek (16 km)

Heute haben wir einen langen Marsch vor uns: ganze 16 Kilometer müssen wir mit dem Gepäck zurücklegen und als ob das nicht genug wäre, regnet es bereits früh am Morgen, so dass wir zum einen unsere Sachen nass einpacken müssen und zum anderen ohne Frühstück loswandern müssen. Na toll, ich bin „not amused“! Aber da der „Point of no return“ längst überschritten ist, bleibt mir nichts anderes übrig, als meine Regenkleidung anzuziehen, die Gamaschen umzuschnallen, Rucksack auf den Rücken zu werfen und loszuwandern. So what - bringen wirs hinter uns!


Der Tagesmarsch beginnt am Strand, wobei der Regen gar nicht wirklich stört, wir kommen gut voran – bis zum Hole in the Wall, ein Felseneck, an dem man nur rumkommt, wenn man den Moment erwischt, indem die Welle gerade zurückgeht. Dann heißt es schnell laufen und nicht nass werden! Einer nach dem anderen hüpft um dieses Eck, bis wir schließlich alle 4 drüben sind.





Dann geht es über ein paar Felsen, die aufgrund des Regens ein bisschen rutschig sind, so dass Vorsicht geboten ist.


Nach diesem ersten Teilstück am Strand geht es dann wieder in den Wald, über unzählige Wurzeln, Schlammlöcher und jede Menge alte wacklige Boardwalks, die direkt an den Nitinat River führen.


So, hier kommen wir ohne fremde Hilfe nicht weiter.



Hank ruft dem Fährmann, der uns dann in seiner „Fähre“ ans andere Ufer bringt. Zur Wetterlage erklärt er uns, „just look out there and then you will see what you get!“ Aha, werden wir machen – momentan schaut es nicht so berauschend aus!

Plötzlich endet der Weg im Sumpf und wir müssen außen rum wandern. Der Regen hat zwischenzeitlich auch aufgehört, so dass wir gut vorankommen. Wir müssen wieder an den Klippen entlang laufen, wohl wissend, dass direkt neben uns der Abgrund ist. Beruhigend! ;-)

Wir erreichen dann den Cheewat River.



Laut Einweisung darf man hier auf gar keinen Fall campen, weil dort ein agressiver Bär gesichtet wurde. Wir sind wachsam und hoffen insgeheim, eine Begegnung mit einem Bären zu erleben, aber Pech/Glück gehabt, kein Bär in Sicht.

Mittlerweile merke ich schon sehr, dass der Marsch heute anstrengend wird, meine Beine tun mir ziemlich weh und aufgrund des Regens am Morgen hab ich meinen Rucksack nur „schnell schnell“ gepackt, so dass das Gewicht leider ziemlich schlecht verteilt ist. Dies trägt nicht gerade zum besonderen Tragecomfort bei! Auch das permanente Einsinken beim Gehen am Strand verbessert meine Gesamtsituation nicht wirklich! Mit unseren Habseligkeiten kämpfen wir uns wieder über die Felsen – immer voll konzentriert, um nicht auszurutschen.



Auf einmal entdecken wir eine ganze Seeadler-Familie am Himmel, die sich durch nichts erschüttern lässt.


Wie sich herausstellt, ist der Grund dafür, die am Strand liegende tote Seerobbe, deren Aas von den Adlern permanent umringt wird.


Ich finde den Anblick eher ekelhaft, aber Hank ist schwer begeistert von der Szenerie.

Zum Glück ist es von der Seerobbe aus nicht mehr weit, bis zu unserem Camp Cribs Creek auf Kilometer 41. Oh mein Gott, was bin ich froh darüber. Der Tag war mein persönlicher Horror-Tag. Meine Füße schmerzen ohne Ende, der Rücken ist völlig überlastet und auch sonst bin ich nicht gerade begeistert. Ich brauch erstmal 20 Minuten, um ein paar Dehnübungen zu machen, bis ich überhaupt wieder ansprechbar bin.

In der Zwischenzeit hat Hank bereits das Zelt aufgestellt und das Lagerfeuer angeworfen, so dass ich mich nur in das gemachte Nest sitzen muss 


Marion macht sich wieder an die Kocherei und kredenzt uns ein leckeres Pesto! Die Wetterlage hat sich auch wesentlich verbessert, so dass der Tag wesentlich besser endet, als er begonnen hat…



Hank will auch noch seinen Senf dazugeben, hier seine Kommentare:


Es gibt die ersten Schäden am Material. Heute im Laufe des Nachmittags habe ich mir die Naht meiner Regenhose aufgerissen. Bis zum Abend ist ein beachtlicher Riss bis zum Knie des einen Fußes zu Stande gekommen.


Was noch schlimmer ist: bei meinem Wanderrucksack ist eine Naht des Beckengurts (der ja den Großteil der Last von den Schultern nimmt) eingerissen. Noch ist der Gurt dran, aber gut schaut des nicht aus, ich hoffe das hält noch ein paar Tage.

Am Lagerfeuer erfahre ich von ein paar anderen Hikern, dass Boston in Spiel 6 kurz vor Schluss 4-2 geführt hat. Schaut nicht gut aus für Vancouver. Dann muss es eben in Spiel 7 klappen!

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